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Telefonsex
Unter Telefonsex versteht man die
Befriedigung sexueller Wünsche
über das Gespräch am Telefon. Die Teilnehmer werden durch das intime
Gespräch (oder Gestöhne) am Telefonhörer sexuell erregt und
befriedigen sich während der Verbalerotik meist auch selbst.
Privat
Ähnlich wie beim Cybersex bauen hier zwei Partner, die nicht in
direkten körperlichen Kontakt treten, über eine verbale
Kommunikation per Telefon, bei der erotische Fantasien ausgetauscht
werden, eine sexuelle Stimmung auf, um sich dabei selber zu
befriedigen.
Der Telefonsex wird im privaten
Rahmen aus unterschiedlichsten
Gründen praktiziert. Darunter u.a.:
Das Telefon hält eine Distanz
zwischen den Partnern, so dass eine
persönliche Bindung unwahrscheinlicher ist.
Bei festen Partnern kann eine länger anhaltende räumliche Trennung
der Grund für das Praktizieren von Telefonsex sein. Damit erweitert
sich - z.T. aus der Notsituation heraus, nicht körperlich zusammen
kommen zu können - das sexuelle Betätigungsfeld, ohne dass dritte
Personen einbezogen werden müssen.
Telefonsex kann aber auch einfach als Abwechslung des “normalen”
Sexlebens praktiziert werden. Hier bringt das Medium den Partnern
einen zusätzlichen Reiz und vermeidet Langeweile in der
Partnerschaft.
Als das Telefon in den 1920er Jahren bei uns verstärkt auch in die
privaten Wohnstuben Einzug hielt, wurde bereits in Benimmkolumnen
das Problem der überhandnehmenden verbalen Intimitäten bei
physischer Entfernung diskutiert. Man erörterte sogar, ob ein
anständiges Mädchen seine Telefonnummer preisgeben dürfe oder nicht.
Und man fragte, ob es für eine Frau schicklich sei, mit einem Mann
zu telefonieren, während sie selbst im Bett lag und nicht
vollständig bekleidet war. Heutzutage haben die meisten westlichen
Menschen keine Probleme mehr mit intimen Gesprächen oder dem heißen
Liebesgeflüster am Hörer. Das bei vielen Menschen vorhandene
Bedürfnis, seinen Sexualtrieb rein verbal auszuleben, befriedigen
seit einigen Jahren kommerzielle Anbieter von Telefonsex.
Kommerziell
Telefonsex findet oft in einem kommerziellen Rahmen statt, in dem
die Teilnehmer dann anonym bleiben. Dabei sind in der Regel Männer
die zahlenden Kunden, die über eine kostenpflichtige 09005-Rufnummer
anrufen — die bislang in Deutschland hierfür verwendeten
0190-Rufnummern wurden zum Ende des Jahres 2005 gemäß Vorgabe der
Bundesnetzagentur deaktiviert (siehe Verfügung 61/2005 der
Bundesnetzagentur). Die Preise bewegen sich meist zwischen 12 Cent
pro Minute und dem für Telefonmehrwertdienste maximal erlaubten
Tarif von knapp 2 Euro pro Minute, wobei die meisten Angebote den
Maximaltarif nehmen. Frauen sind meist Angestellte eines
Dienstleisters oder wählen sich über eine kostenlose 0800-Rufnummer
ein.
Der Markt für virtuellen Sex
boomt. Die Fernsehwerbung, die nach
Mitternacht inzwischen auf den meisten deutschen Privatsendern
gezeigt wird (im Teletext oft auch tagsüber), ist meist sehr direkt.
Der potentielle Kunde weiß dadurch schon vor dem Anruf ziemlich
genau, um was es geht: um eine junge Frau, eine alte Frau, eine
(angebliche) Studentin, eine (angebliche) Hausfrau, eine Orgie, um
Gay-Sex oder SM. Bei Vanity beziehungsweise den sogenannten
Vanity-Rufnummern weist sogar bereits die Rufnummer selbst auf das
zu erwartenden Angebot hin. Meistens fragen die Damen am anderen
Ende der Leitung, welche genauen Wünsche man hat, doch sollte man
sich im klaren sein, dass nicht jede Frau am Telefon alle
Perversitäten mitmacht, die sich ein Kunde wünscht. Anstelle eines
Einzelgesprächs kann man auch zu einer Gruppe zugeschaltet werden,
um bei einer Telefonsex-”Orgie” dabei zu sein. Man sollte in diesem
Fall aber wissen, dass man dabei selbst auch belauscht werden kann.
Durch ein allzu charakteristisches heftiges Stöhnen am Telefon oder
durch Hintergrundgeräusche, wie sie eine bestimmte Straße, die Bahn
oder die Kirchenglocken verursachen, könnte man andere
unbeabsichtigt darauf aufmerksam machen, wer man ist.
Bei Streitigkeiten vor Gericht
war die Frage nicht unwichtig, ob
solche Telefonsexgespräche sittenwidrig sind oder nicht. Das
Oberlandesgericht Stuttgart (21. April 1999, 9 U 252/98) entschied
zunächst gegen die Deutsche Telekom, die eine Gebührenforderung für
Telefonsexgespräche gegen einen Anschlussinhaber einklagen wollte.
Die Begründung des Gerichts lautete, dass sich die Telekom in
vorwerfbarer Weise an der kommerziellen Ausnutzung eines
sittenwidrigen Geschäftes beteilige. Der deutsche Bundesgerichtshof
hat nunmehr die Frage, ob Telefonsex-Verträge sittenwidrig sind, in
der Entscheidung vom 22. November 2001 (III ZR 5/01) offen gelassen
und entschieden, dass sich Kunden nicht auf die etwaige
Sittenwidrigkeit von Telefonsex berufen könnten, denn das
Telefonnetz selbst und der Vertrag mit dem Betreiber sei
wertneutral. Eine Telefonkundin hatte die Zahlung mit dem Hinweis
verweigert, ihr Vater habe die hohen Rechnungsbeträge verursacht,
weil er über teure Mehrwertnummern Telefonsex betrieben hätte. Doch
die Frau musste zahlen. Der BGH argumentierte, dass bei den teuren
Mehrwertnummern ein Vertragsverhältnis der Kundin gegenüber dem
Netzbetreiber bestehe und der Netzbetreiber keinen Einfluss darauf
habe, welche Teilnehmer zu welchen Zwecken in telefonischen Kontakt
treten; er könne den Inhalt der geführten Gespräche auch gar nicht
kontrollieren.
Die Frage, ob Telefonsex
sittenwidrig sei, wurde auch in Österreich
von gerichtlicher Seite verneint. Das Abspielen von vorgefertigten
Bandaufnahmen eindeutigen Inhalts sei vergleichbar mit dem Kauf von
Pornoheften oder -filmen und daher im Sinne der herrschenden Meinung
nicht sittenwidrig. Erotische Echtzeit- oder Livegespräche mit
sexuellem Inhalt sind ebenfalls nicht sittenwidrig, denn es besteht
nur ein akustischer, aber kein unmittelbarer körperlicher Kontakt
zwischen den Gesprächspartnern. Außerdem würden die Damen am anderen
Ende der Leitung die sexuellen Handlungen und die Erregung bloß
vorspiegeln, und dies sei nicht mit Prostitution im herkömmlichen
Sinn vergleichbar.
Gängige Klischees des
kommerziellen Telefonsexes
Oft wird angenommen, dass Männer,
die in der Realität Probleme
haben, Frauen anzusprechen, oder die ganz spezielle sexuelle Wünsche
haben, die zu Hause unbefriedigt bleiben, die Hauptkunden des
Telefonsex-Geschäfts sind.
Tatsache ist, dass kommerzielle
Telefonsexangebote in Deutschland
zurzeit von ca. 30.000 Anrufern täglich genutzt werden. Vier von
fünf Telefonsexkunden haben dabei eine feste Partnerschaft. (vgl.
Sibylle Fritsch/Axel Wolf: Der schwierige Umgang mit der Lust. Auf
der Suche nach dem richtigen Maß. In: Psychologie Heute, Heft 8,
2000, S. 26.) Private Sextelefonate dürften die ermittelte Zahl noch
erheblich steigern. |
Cybersex
Cybersex ist eine in den letzten
Jahren aufgekommene neue Form der Sexualität, die mithilfe des
Computers und besonders über einschlägige Angebote des Internets z.
B. in Chats praktiziert wird.
Vor allem das World Wide Web bietet eine Reihe von pornografischen
Angeboten, aber auch andere Formen des Kontaktes zu Gleichgesinnten
und der Kommunikation mit ihnen. Cybersex-Konsumenten können sich
eine Unmenge von meist kostenpflichtigen (siehe Dialer) Webseiten
mit pornografischen Inhalten auf den heimischen Bildschirm holen.
Der Konsum solcher Seiten dient dabei überwiegend der persönlichen
sexuellen Erregung, wobei der Internet-User während des Konsums der
Bilder seine sexuellen Fantasien auslebt und meist auch dabei
masturbiert.
Ein anderer Weg, sich sexuellen Lustgewinn per Internet zu
verschaffen, ist die Kommunikation mit meist anonymen Partnern in so
genannten Chatrooms. Dort können sich interessierte Personen unter
einem Nickname durch Austausch verbalerotischer Fantasien
miteinander unterhalten.
Cybersex läuft meistens anonym ab. In selteneren Fällen bleibt es
jedoch nicht bei der Anonymität und man trifft sich, um reale
sexuelle Beziehungen einzugehen.
Einige Psychologen schreiben dem Cybersex ein gewisses
Suchtpotenzial zu. Ein anderes Problem entsteht dadurch, dass viele
Menschen in Chatrooms zwar Kommunikation, jedoch keinen Cybersex
suchen. Diese fühlen sich dann belästigt.
Sex-Chat
Sex-Chat ist eine in den 1990ern entstandene Form des Cybersex, bei
der Teilnehmern sexueller Kontakt mittels Text oder Videochat
angeboten wird, indem die Kunden mit einer anderen Person
kommunizieren können, während sich diese sexuell stimuliert.
Diese sexuelle Praktik ist eine besondere Form, die ohne physischen
Kontakt auskommt. Die Personen, die vor der Webcam meist auf
Anweisungen oder Vorschläge dieser Sex-Chat-Kunden agieren, sind
überwiegend Frauen und nur zu einem geringen Teil auch Männer oder
Paare. Die monatlichen Gebühren für solche Seiten sind meist nicht
gerade gering und der Austritt wird häufig erschwert. Es gibt jedoch
auch kostenlose Portale, die sich allein durch Werbung finanzieren
und oft nur der Kontaktaufnahme dienen, während für den “CamSex”
eigene Programme (z. B. Microsoft Windows Live Messenger) genutzt
werden
Rollenspiel und Cybersex
Eine Sonderform von Cybersex kann - sofern erlaubt - in
Chatrollenspielen stattfinden. Die sexuellen Handlungen der
Beteiligten Spielercharaktere werden im Rahmen des Rollenspiels
ausgespielt und sind teils für den weiteren Spielverlauf relevant.
Während bei einigen Rollenspielen Cybersex nur gelegentlich
vorkommt, wird er bei Anderen bewusst herbeigeführt.
Im Unterschied zum normalen Sex-Chat wahren die beteiligten
Mitspieler beim Rollenspiel eine größere Distanz zu der Handlung, da
sie nicht sich selbst, sondern lediglich ihren Spielcharakter an der
Handlung beteiligen. Einige Menschen laufen jedoch Gefahr, Spiel und
Wirklichkeit miteinander zu vermischen, was zu ernsthaften
psychischen Krisen führen kann.
Mit der Verbreitung von MMORPGs ist es sogar möglich, die Handlung
nicht nur verbalerotisch auszuspielen, sondern auch den jeweiligen
Avatar entsprechende Handlungen andeuten zu lassen, die allerdings
gegenüber den textlichen Möglichkeiten stark begrenzt sind. In
einigen Rollenspielen, in denen es nicht möglich ist, sich in einen
für Andere unzugänglichen virtuellen Raum zu verkriechen, besteht
sogar die ganz banale Gefahr, erwischt oder heimlich beobachtet zu
werden. Daher wird Cybersex gerade in MMORPGs in denen Kinder und
Jugendliche mitspielen von den Betreibern nicht gern gesehen und es
ist den Beteiligten anzuraten, das Spiel spätestens in dem Moment,
in dem es sexuell eindeutig wird, in den Flüster- bzw. Gruppenmodus
zu verlegen.
Teledildonik
Eine fortgeschrittene Variante des Cybersex wurde als Teledildonik
bezeichnet. Hierbei tragen zwei Teilnehmer mit Sensoren und
Stimulatoren ausgerüstete Anzüge, wobei durch einen Partner im
jeweils anderen Anzug eine Stimulation ausgelöst werden kann. Die
mit großem Propagandaaufwand vorgestellte technische Lösung dieser
Art von Cybersex hat sich als wenig praxistauglich erwiesen. |